Über die Umstände oder warum man über ein Wunder nicht motzen darf

Zugegeben, ich hab während meiner Schwangerschaft hier kaum noch gebloggt.

Das hat natürlich ganz viele Gründe, denn das Wunder des Lebens muss natürlich auch entsprechend genossen und nicht mit Bloggerei verbummelt werden. Har har. Nicht.

Ich weiß nicht, wie oft man mir eine „schöne Kugelzeit“ (btw: Denkt bei diesem Spruch sonst noch jemand an den alten Rocher Werbespot „Ich geb mir die Kugel!“?) gewünscht hat, aber es war so oft, dass ich kaum noch müde lächeln möchte.

Nicht falsch verstehen! Gute Wünsche sind was Schönes – aber nach den letzten 30 Wochen stell ich mir Genuss tatsächlich ganz anders vor.170602_DANDELION_01

Vorher erzählt es einem natürlich keiner, aber schwanger sein ist irgendwie nicht ganz so toll, wie es einem immer verkauft wird. Zumindest waren meine letzten Wochen ein stetiges Auf und Ab auf der Gefühls- und leider auch Gesundheitsachterbahn.

Mittlerweile hab ich einen Punkt erreicht, an dem mich einfach alles nur noch nervt.
Ich bin dick, mein Bauch ist immer im Weg, ich sehe meine Füße kaum und selbst wenn, würde ich wahrscheinlich gar nicht mehr hinkommen. Und von anderen Körperteilen weiß ich auch nur durchs Hörensagen, dass sie noch vorhanden sind.170304_DANDELION_06

Ich will nicht undankbar sein, denn JA, es ist tatsächlich ein Wunder, einen Menschen erschaffen zu können. Und ich bin auch wirklich sehr froh über den Menschen, der da in mir wächst. Aber ich werde noch viel glücklicher sein, wenn ich meinen Körper wieder für mich habe und mein Baby da ist, wo es hingehört: Auf meinem Arm.

Und JA, ich finde echt, man darf auch über diese Zeit motzen, denn es ist wirklich nicht so super rosarot, wie es einem die Gesellschaft scheinbar verkauft.172003_WILLOW_10

Ich dachte bisher, ich kenne mich echt gut. Ich wäre ne taughe Frau, der man so schnell nichts vormachen kann. Ich dachte, ich kann echt viel wegstecken und wegarbeiten. Das ist sicher auch so – solange keine Hormone im Spiel sind. Ich hab mich von einem auf den anderen Tag in so manchen Dingen verändert und finde das auch trotz Hormonen nicht wirklich gut.
Gerade am Anfang habe ich sehr lange dafür gebraucht, um einfach zu akzeptieren, dass ich nun viel mehr Auszeiten brauche und mein Körper mich zur Ruhe zwingt. Wollen, aber nicht können. Das macht mir auch nach wie vor schwer zu schaffen.

Kleinere nervige Dinge, wie Ernährungsregeln stecke ich dagegen locker weg, Diät halten kann ja dann doch am Ende fast jede Frau. Aber auch wenn es keiner zugibt, bei einer Sache bin ich mir echt sicher: Jede Frau vermisst in dieser Zeit mehr als ein Mal ein Gläschen Wein (Sekt, Bier, whatever).

Das offensichtlichste ist aber natürlich: Man steht zum allerersten Mal im Leben vorm eigenen Kleiderschrank und hat nichts anzuziehen. Und ich meine NICHTS.170304_DANDELION_07

Wer schon immer das Capsual Wardrobe Prinzip ausprobieren wollte: Bitteschön! Werdet schwanger! Die Auswahl im eigenen Schrank reduziert sich sofort auf ein Minimum und JUHU auch in den Läden gibt es nur wenige Dinge, die angeboten werden und passen.170602_DANDELION_02

Ich hab mir einen ganzen Stall an Oberteilen genäht, denn sonst wäre ich wirklich durchgedreht. Ich zeige euch hier eine kleine Auswahl – sie sind alle nach meinem Schnitt Dandelion entstanden. Den Schnitt habe ich sehr variabel gehalten, denn schließlich ist man echt laaaaange schwanger und braucht etwas, das für mehrere Jahreszeiten taugt und etwas Abwechslung bietet.
Gemäß dem Motto hab ich auch noch ein paar Plotts gestaltet – darunter natürlich das wichtigste Statement zum Thema überhaupt: Worth the Wait. Das Warten lohnt sich. Das ist mein Mantra und das sag ich mir zu Zeit dauernd.

Egal wie dumm und anstrengend und nervig diese Zeit auch ist, am Ende wird es sich lohnen. Verdammt noch mal, das wird es! DURCH-HAL-TEN! 172003_DANDELION_03

Zugegeben, meine bisherigen Motzereien sind harmlos und irgendwie auch ein bisschen lustig. Aber der letzte Punkt, der ist es nicht: Man ist immer krank vor Sorge und es kann jederzeit etwas schiefgehen. Ja, ich weiß, das klingt schwer nach Drama. Aber tatsächlich gehen die wenigsten Frauen wie Butter durch die 40 Wochen. Ich hab viele Mädels kennengelernt, die mehrere Wochen auf dem Rücken verbrachten. Ich habe diesen Zustand „Couch-Knast“ getauft und auch ich bin zur Zeit wieder Insasse.
Und selbst wenn man sich frei bewegen „darf“ – so kann man es nicht immer, denn gerade im letzten Trimester gibt es kaum noch eine Tag, an dem nichts weh tut.

Aber das sagt einem natürlich keiner vorher. Wahrscheinlich wird man tatsächlich direkt nach der Entbindung geblitzdingst und erinnert sich nur noch an die 3 Minuten, die man wunderschön mit dickem Bauch im einzigen schönen, passenden Kleidungsstück durch die Blumenwiese läuft – und vergisst, wie schnell man sich dann direkt danach vor Schmerz und Schwindel hinlegen musste und wie schlecht einem beim Geruch der Blumen geworden ist.170304_DANDELION_02

Wie auch immer eure Schwangerschaft aussehen mag: Ich wünsche zumindest all meinen Mitleidensgenossinnen noch eine schöne Ich-geb-mir-gleich-die-Kugelzeit!

Habt ein tolles Wochenende!

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SHORTS FACTS
Stoff: Jersey (verschiedene)
Schnitt: DANDELION (shhhout!)
Plott: shhhout!

 

 

8 thoughts on “Über die Umstände oder warum man über ein Wunder nicht motzen darf

  1. 1

    Herzlichen Glückwunsch ♡

  2. 2

    Danke – zumindest habe ich heute das erste Mal kurz herzhaft gelacht. Ich habe noch 30 Wochen vor mir und ja du hast sooo recht! Dabei geht es mir gerade wesentlich besser als bei Kind Nr.1 Aber wie du sagst – es lohnt sich *chaka, wusa und omm*

  3. 3
    Sarah sagt:

    Ja, ich gehör auch dazu. Fünf Wochen noch, pi mal Daumen, dann ist es geschafft. Erst 14 Wochen Kotzerei, was nahtlos in Symphysenprobleme überging, die bis jetzt nur schlimmer geworden sind. Meine Füße hab ich seit Wochen nicht mehr im stehen gesehen und außerdem scheinen in meinen Knöcheln gerade Orangen zu wohnen…Und auch die kleine Bauchbewohnerin hat ein bisschen Darmprobleme.

    Ist wirklich nicht alles eitel Sonnenschein. Ich bin wirklich, wirklich froh wenn ich nicht mehr schwanger bin, war ich in der ersten Schwangerschaft schon, und wenn man dann mit nem Kleinkind unter 2 Jahren schwanger wird, dann ist das alles noch weniger einfach als einem eingeredet werden möchte.

    Wobei ich zumindest keinen Couch-Knast habe, aber mittlerweile echt froh bin, wenn ich abends die Beine hochlegen darf. (Und was so gar nicht hilft ist wenn der Mann dann auch noch mit 40 Fieber flach liegt und auch noch versorgt werden möchte…)

    So, genug gejammert jetzt! 😛

  4. 4

    Jaaaaaaa, ich leide gerade voll mit dir!

  5. 5
    Dana sagt:

    Liebe Kathrin,

    Schön dass du dir alles von der Seele schreibst. Ich glaub das tut gut und befreit für einen Moment.

    Ich bin ganz ehrlich, ich liebe es schwanger zu sein, es gibt für mich (fast) nichts schöneres. Natürlich gibt’s bei mir auch Tage, an denen ich nicht super fit bin, aber die hat man auch wenn man nicht schwanger ist 😉 allerdings wurde mir auch noch nie Couch-Knast (übrigens sehr schönes Wort) verschrieben.

    Das man sein Baby am liebsten 10 Wochen vorher schon in den Armen halten will kennt wahrscheinlich jeder 😀 Wir freuen uns eben einfach so auf dieses kleine süße Baby, und dieser Wunsch wird tatsächlich von Woche zu Woche größer <3

    Ich wünsch dir noch eine kurze, Couch-Knast-freie Schwangerschaft die gefühlt vergeht wie im Flug :*

    P.S.: wie begeistert ich von deinem Schnitt bin weist du ja <3 und du siehts einfach toll aus, dir steht sowohl das Shirt als sich die Babykugel!

  6. 6
    Simone Hesse sagt:

    Jaaaa Kathrin, so kann es einem gehen 😉
    Meine erste Schwangerschaft war schön…keinerlei Probleme!
    Ich weiß aber von Freundinnen das es auch ganz anders laufen kann. Da bin ich ehrlich froh, das dieser Kelch an mir vorübergegangen ist.
    Meine 2. Schwangerschaft war anstrengend! Das war aber der Tatsache geschuldet, das diesmal schon ein Kleinkind mit 1000 Wünschen um mich rum war…und ich habe 30kg zugenommen und am Ende konnte und wollte ich dann auch ncht mehr…
    …den Spruch mit der Restkugelzeit verkneife ich mir, aber eine tolle Geburt sollte es dann schon sein. Klar wird es weh tun, aber im Nachhinein sollte es für euch ein schönes Erlebnis sein.

    Alles Liebe – Simone

  7. 7
    Sabine sagt:

    Hihi ich kann dich ja so gut verstehen, so ähnlich ging es mir auch in der Schwangerschaft(ist zwar schon 25 Jahr her aber doch unvergesslich)und ich wär so was vom schwanger, weil ich Zwillinge bekommen habe. Erst war mir 12 Wochen am Stück schlecht und dann war ich dick und hab wochenlang meine Füße nicht gesehen. Ich hab immer gesagt, derjenige der behauptet Schwangerschaft wäre die schönste Zeit im Leben einer Frau kann nur ein Mann gewesen sein. Aber mal ehrlich wenn der Zwerg erst da ist, weißt du das sich alles gelohnt hat. Ich wünsch dir/euch alles Liebe und Gute, du schaffst das!!!
    Liebe Grüße Sabine

  8. 8
    Kai sagt:

    Bei meiner ersten Schwangerschaft hat mich der Hormon-Bus überfahren und ich hätte am liebsten 3x täglich irgendwem auf die Nase gehauen, wenn ich das trotz Übelkeit und null-Energie irgendwie hätte schaffen können. Ging aber nicht. Man, war ich froh als das vorbei war! Die nächste Schwangerschaft war ich aufs schlimmste vorbereitet und es kam nicht. War ein kindergeburtstag! Beim dritten hab ich zwischendurch immer mal vergessen, dass ich schwanger bin. Aber die „schönste Zeit “ war das auch nicht. Egal wie, beschleunigen ist nicht, also Sitzfleisch beweisen und abwarten. Füße sind noch da, wirst sehen Viel Geduld, auch für anschließend

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