Nicht ganz so der Wren-ner

Ich mag Colette. Ich besitze bestimmt Dreiviertel aller Schnitte und hab sicher die Hälfte schon genäht.

Als Wren dann rauskam, hab ich es natürlich sofort haben müssen! Ich meine, es vereint ja schließlich alles, was ich gut finde: 1. Colette, 2. Wickeloptik, 3.Kleid.

Eigentlich ein Jackpot!
Ja. Eigentlich.

Colette Schnitte sind verhältnismäßig teuer – gerade wenn man bedenkt, dass man mit seit dem Seamwork Mag monatlich auch für 6€ zwei Schnitte aus demselben Haus erhält. Also gehe ich natürlich mit gesteigerten Erwartungen an die „Premiumvariante“ ran. Irgendwo muss ja der Unterschied zwischen dem günstigen dem teuren Schnitt herkommen?!151101_Wren_02

Von der Optik her ist Wren echt schön, die Raffung an der Schulter ist echt ein tolles Detail. Weniger begeistert war ich dann aber von der Anleitung. Der gesamte Ausschnittssaum soll umgeschlagen und mit Coverlock oder Zwillingsnadel einfach abgesteppt werden. Das gab’s schon bei Aurora und da hab ich schon sehr dezent erklärt, wie kacke ich das finde. Aber Aurora hat mich 3€ gekostet, Wren fast das Vierfache. Da will ich auch eine Anleitung für ein Kleidungsstück mit professionellen und perfekten Abschlüssen.

Was mich eigentlich aber noch mehr ärgert ist, dass ich hohle Nuss auch wirklich laut Anleitung vorgegangen bin. Oh welch Wunder! – Scheiße sah es aus! Scheiße von innen, scheiße von außen. Also hab ich meine schöne 4-Faden-Covernaht fein säuberlich aufgetrennt. Das hat ewig gedauert und war mehr als nervig. Anschließend hab ich mit einem Jerseystreifen versäubert.

Beim Passformcheck war ich dann tatsächlich froh um jeden Millimeter, denn ich nun gewonnen hatte. Colette schneidert ja eigentlich für größere Oberweite, aber Wren ist an dieser Stelle einfach viel knapper bemessen als sonst.

Im Netz hab ich schon von einigen vollbusigeren Ladies gehört, dass es nicht so super sitzt, aber ich dachte, soooo viel hab ich ja nun doch nicht.

Nachdem das Oberteil dann fertig war, hab ich mich an den Rock gemacht. Soooo viel Stoff! Man soll mit einem transparenten Gummi kräuseln – die Länge des Gummis ermittelt man selbst. Einfach einmal um die Taille legen. Mal ganz ohne Spaß: Ich konnte das Gummi nicht so stark dehen, wie ich Stoff hatte. Meine Nähmaschine hat wirklich gegen meinen Gegenzug gekämpft und fast nicht mehr transportieren können. Es ist einfach zu viel Stoff!

Dann kam irgendwann die Anprobe und ich war total enttäuscht.

Das Oberteil sitzt schief, es ist vorne viel zu hoch, hinten dagegen sitzt es richtig. Hier hat sich nun mein Verdacht bestätigt: Wren ist nicht für große Oberweite vorgesehen.

Direkt unter der Brust – also viel zu hoch – kräuseln sich dann gleich mehrere Kilo an Stoff und ich hab mich ehrlich gesagt ziemlich dick darin gefühlt. Von der Seite hatte es einen Schwangerschafts-Look, als würde ich etwas verstecken wollen oder müssen.
Auf Instagram hab ich mir ein paar Meinungen eingeholt, alle fanden es irgendwie super, aber es bringt ja nichts, wenn ich es selbst scheiße finde.

Im direkten Vergleich mit Moneta hab ich dann entschieden, dass die Taille einfach tiefer muss und ich hab das Kleid wieder auseinadergenommen.

Das fiel mir gar nicht leicht, ich hatte schon ein bisschen Angst, dass ich es am Ende nur noch schlimmer mache. Der Stoff ist so toll – den hatte ich (mit einigen anderen) in Italien bestellt. Alles nicht ganz so günstig und wirklich toll von der Qualität her, deswegen hab ich mich auch lange gar nicht an die Stoffe rangetraut.

Aber: Hilft ja nix! Aus dem Rockteil habe ich rechts und links an der Naht jeweils – festhalten: – 10 Zentimeter Stoff entfernt. Krass, oder? Das sind 20 Zenitmeter weniger Rock und er ist immer noch weit!151101_Wren_01

Gekräuselt hab ich diesmal nicht mit dem transparenten Band, irgendie überzeugt mich das nicht so ganz. Stattdessen hab ich lieber normale weiße Gummilitze genommen.

Um das zu kurze Oberteil etwas auszugleichen hab ich was gemacht, was ich normal nicht so mag: Ich hab ein Taillenband eingesetzt. Außerdem hab ich direkt zwei Gürtelschlaufen miteingenäht, das soll ein wenig vom Taillenband ablenken. 😀

Oh man, das Kleid sollte ein schnelles „Zwischrein“-Ding sein und ich nun so ausgeufert.
Nach meinen ganzen Rettungen finde ich es tragbar, auch wenn es nun wirklich nicht mehr so ganz nach dem ursprünglichen Schnitt aussieht.

Eigentlich müsste ich Wren nun nochmal nähen, denn jetzt weiß ich ja, worauf ich achten muss. Lust darauf hab ich allerdings keine.

Na, hab ich euch den Schnitt nun so richtig schmackhaft gemacht? 😀

 

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SHORTS FACTS
Stoff: Jersey (supercut.it)
Schnitt: Wren (Colette Patterns)
Verlinkt: MMM

18 thoughts on “Nicht ganz so der Wren-ner

  1. 1
    Fröbelina sagt:

    Naja, schmackhaft ist anders 😀 Schade, dass der Schnitt so schlecht ist, klingt echt alles nicht so toll. Schön, dass du aber immerhin den hübschen Stoff retten konntest, der sieht toll aus! 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

  2. 2
    Schlawuuzi sagt:

    So wie das Kleid jetzt ausschaut finde ich es sehr schön. Der Aufwand für die Änderungen hat sich dann wirklich gelohnt.
    Lg Iris

  3. 3
    lusyl sagt:

    Ich hab leider gar keine Ahnung vom Nähen, aber ich finde dein Kleid einfach wunderbar. Schade, dass es dir so viele Schwierigkeiten bereitet hat, aber ich hoffe, du wirst es mir Freude tragen. So ein Kleid hätte ich auch wahnsinnig gerne.

    LG

    Sylvia

  4. 4
    Jenny sagt:

    Das Kleid steht dir super! Schade, dass der Nähprozess so anstrengend war. Ich kann verstehen, dass du keine Lust mehr auf den Schnitt hast, wenn ein kurzes Projekt dann so ausufert.

  5. 5
    Silvana sagt:

    Der Stoff passt super zum Schnitt, deine Rettungsaktion hat sich auf alle Fälle gelohnt. Und das Taillenband und der Gürtel, betonen deine schöne Taille.
    LG, Silvana

  6. 6
    Lina sagt:

    Nein….schmackhaft gemacht sicher nicht! *lach* Aber ich bewundere Dein Durchhaltevermögen. Ich glaube nicht, dass ich das ganze Dingen noch mal komplett aufgetrennt hätte. *hutab*
    Das Ergebnis ist ganz wunderbar…ohne Frage!!! Vielleicht pfefferst Du den Schnitt erst mal in eine Ecke (so mache ich es…tut gut sage ich Dir….) und host ihn in ein paar Monaten noch mal raus. Steht Dir nämlich sehr gut!

    Liebe Grüsse
    Lina

  7. 7
    Dalia sagt:

    Cashmerette hat doch gerade ein echtes Wickelkleid herausgebracht, extra für mehr Oberweite. Werde mal abwarten bis das ein paar genäht haben. Nach meinem Aster-Desaster werde ich wohl auch eher nichts mehr von Colette nähen, obwohl sie mir so ganz sympathisch sind.

  8. 8
    Freja sagt:

    Ach schade, dass es da so ein rumgehampel gab! Ich mag das Endergebnis sehr gerne und der Stoff ist auch echt schön.
    Eigentlich fand ich den Schnitt toll, aber jetzt bin ich ja doch ganz froh, dass ich es nicht gekauft habe – vielleicht werde ich dennoch irgendwann weich.
    Danke für deine ehrlichen Worte zu dem Schnitt und näh am besten erstmal was anderes, damit die Freude wiederkommt (:
    Alles Liebe,
    Freja.

  9. 9
    kuestensocke sagt:

    Die Mühe und das Durchhalten haben sich echt gelohnt, das Kleid ist traumhaft schön an Dir, der Stoff fällt so weich und Du kannst dich wie eine Königin fühlen. Schade, dass Du Dich ärgern musstest, aber die Könnerin erkennt man daran, dass sie nicht aufgibt sondern ein traumhaftes Kleid trout Widrigkeiten näht 😉 LG Kuestensocke

  10. 10
    Lena sagt:

    Oh man, das kenne ich, wenn einfach nichts passen will und man dreimal so viel Zeit in Änderungen investiert als man eigentlich zum Nähen bräuchte…. Wie ich schon bei instagram schrieb, gefällt mir das Kleid auf dem Bild eigentlich ganz gut. Aber wie du schon sagst: man muss es selbst mögen und sich wohl darin fühlen, sonst nutzt es nichts. Ich hoffe ihr zwei könnt euch noch miteinander aussöhnen, das Kleid und du! In jedem Fall wünsche ich dir mit deinem nächsten Projekt mehr und schnelleren Erfolg 🙂
    Liebe Grüße, Lena

  11. 11
    Vivien sagt:

    Das ist wirklich ärgerlich mit dem Schnitt. Ich kann absolut verstehen, dass du vorerst keinen Bock mehr auf den Schnitt hast.
    Dafür finde ich dein Kleid wirklich schick. Der Stoff ist wie dafür gemacht und du siehst einfach klasse darin aus.
    Liebe Grüße, Vivien

  12. 12

    Hm. Das mit dem Taillenband ist echt schade, wenn man das „rausrechnet“ und das Oberteil entsrechend verlängert, wäre das ein tolles Kleid.

    Colette-Schnitte finde ich allgemein relativ kurz. Ich bin ja nun wirklich klein und muss trotzdem verlängern (allerdings brauche ich dafür eine SBA, denn C ist nicht wirklich drin…).

    Dein Stoff ist wunderschön, und das Kleid mit dem drapierten/gefalteten Oberteil sieht wirklich toll an Dir aus – Du solltest ihm noch eine Chance mit den entsprechenden Änderungen geben, damit Du glücklich wirst!

    LG
    Katrin

  13. 13
    Sandra sagt:

    Tjaaa – nein, Empfehlung ist anders.
    Aber trotzdem hast Du ein sehr schönes Kleid gezaubert. Um den Stoff wäre es wirklich zu schade gewesen.
    Liebe Grüße
    Sandra

  14. 14
    Julia sagt:

    Also ich finde auch, dass Kleid steht dir super und du hast es wirklich toll hingekriegt! Auch wenn ich deinen Unmut gut verstehen kann, ich wäre wahrscheinlich Amok gelaufen vor Zorn! 😉 Und der Stoff ist echt ein Traum, die Mühe hat sich total gelohnt! 🙂

    Liebe Grüße
    Julia

  15. 15
    sjoe sagt:

    wie schön, dass du das Kleid aus dem wunnnndervollen Stoff *schmacht* noch retten konntest!
    wirklich ärgerlich, dass ausgerechnet dieser Colette-Schnitt (vor allem eben für das Geld!) so gar nicht funktioniert!
    aber wie so oft zeigt sich, dass es sich lohnt, durchzuhalten, ich finde, das ist ein ganz tolles Kleid geworden!

    LG
    sjoe

  16. 16

    […] Kleid, dass ich darunter trage ist übrigens auch selbstgenäht und ich hab es hier schon mal näher vorgestellt. Nur falls jemand noch mal nachlesen will. […]

  17. 17

    […] sehr frühen Phase total unzufrieden war. Fragt mich nicht, warum. Kurz vorher hatte ich schon mein Wren Drama – wahrscheinlich hatte ich mich noch nicht so ganz davon erholt. […]

  18. 18

    […] auch das Wren Dress von Colette Patterns, mit dem ich bei meinem ersten Versuch so gar keinen Spaß hatte. Eigentlich liegt aber dieser Frust an mir, denn ich hab im Vorfeld […]

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